Narbenmassage – Ja oder Nein?
Wann sie hilft, wann sie schadet

Eine Narbenmassage kann viel bewirken – falsch angewendet aber auch schaden. Was du beachten solltest, bevor du selbst Hand anlegst.
Eine Narbenmassage, also die Anwendung manueller Dehn- und Mobilisationsreize, um eine Narbenheilung zu verbessern, ist prinzipiell eine sehr gute Sache. Innerhalb meiner Therapie und meiner Narben-Coachings ist diese Technik immer ein wichtiger Bestandteil meiner Empfehlungen – wichtig für eine gute und umfänglich fundierte Narbenheilung. Wenn die Klient:in richtig angeleitet wird, kann sie ihre Narbenheilung und ihre Narbenform entsprechend täglich gut selbst unterstützen.
Leider sehe ich immer wieder – selbst von Kolleg:innen und Ärzt:innen – Anwendungsempfehlungen zum Thema Narbenmassage, die völlig ungeeignet sind und zum Teil sogar gewebeschädigende Auswirkungen haben können. Diese sind häufig wirklich bedenklich, werden viel zu früh oder viel zu stark angewendet – kurz gesagt: schädigend für das empfindliche, sich regenerierende Narbengewebe. Obwohl viel getan wird, wundert sich die Narbenklient:in dann, weshalb die Narbe hart, verklebt, so empfindlich wird oder wie ein roter Regenwurm aussieht.
Wichtig ist deshalb: alles, was du mit deiner Narbe machst, hat direkte oder indirekte Auswirkungen auf das Heilverhalten – und damit auf das spätere Erscheinungsbild und Heilergebnis.
Was kannst du tun, um Fehler zu vermeiden?
Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass deine Narbe ein Trauma, eine Schädigung durchlaufen hat und deshalb keinen weiteren „Stress" von außen mag. Deshalb hier ein guter Rat: weniger ist oft mehr. Sanfte Reize fördern, starke hemmen.
Generell sollte auch bei Narben eine Expert:in konsultiert werden. Denn Narben heilen dann optimal, wenn sie entsprechend ihrer Ursache, Lage, ihres Traumageschehens und ihres Alters richtig eingeordnet, unterstützt und begleitet werden.
Eine Handnarbe hat völlig andere Bedürfnisse als ein Kaiserschnitt, eine Blinddarm-Narbe oder eine Gesichtsnarbe. Allgemeines Selbermassieren ist meist nicht das richtige Mittel der Wahl.
Narben sind komplexe Traumen innerhalb unseres Körpers, die ein fundiertes Heilkonzept und einen vernünftigen Therapieplan benötigen.
Konkrete Empfehlungen
- Massage nur sanft und nicht zu häufig – je jünger die Narbe, desto oberflächlicher und sanfter. Es sollte immer angenehm sein und nie wehtun.
- Keine Massagereize direkt auf der Narbe – immer Abstand halten.
- Kein wildes Zupfen, Zerren oder Dehnen.
- Keine Massagegeräte im unmittelbaren Narbengebiet.
- Bei Schwellungen oder Schmerz nur sanftes Ausstreichen.
- Bei Entzündungen, eitriger Narbe, Wärme oder offener Wunde: keine Massage – bitte eine:n Ärzt:in konsultieren.
- Am Ende der Massage ein gutes, natürliches Pflegeprodukt auftragen.
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